„DSGVO-konform.“ Als wäre das ein Qualitätsmerkmal. DSGVO-konform zu
sein, ist kein Vertrauensbeweis. Es ist die Eintrittskarte, um in Europa überhaupt seriös ein Business zu betreiben.
Wenn man dann nach nativer Anonymisierung fragt, also einem Filter, der verhindert, dass persönliche oder Kundendaten im LLM landen, wird es erstaunlich still. „Wird immer mal angefragt.“ Wie bitte?
Wir reden hier über Systeme, in die Unternehmen ihre operative Intelligenz kippen, nicht nur ein paar Prompts, sondern Geschäftslogik.
Agenten. Agentic. Agentic AI. OK, verstanden. Wie das mit Buzzwords so ist: Kaum steht es auf jeder zweiten Folie, weiß fast niemand mehr genau, was eigentlich gemeint ist.
Plötzlich ist schon ein CustomGPT ein "Agent", ein KI-getützter Workflow mit drei Buttons heißt "Agentic System".
Klingt schön catchy, ist aber catchy Unsinn.
Ein Agent ist nicht einfach „KI mit einem netten Interface“.
Ein echter Agent ist ein System, das Aufgaben nicht nur beantwortet, sondern ausführt. Das Entscheidungen vorbereitet, Daten liest, Aktionen auslöst, Zwischenschritte bewertet und in bestehenden Prozessen arbeitet. Wer das verstanden hat: Die CRM/ERP-Hersteller. Salesforce, SAP, mehr hab ich mir nicht angeguckt. Sie wandern direkt in die Anwendungen. Nicht als Wizzard mit Fragen und emsigen Antworten eintippen, sondern mit tiefer, vernetzter Logik, eingebunden in Datenstrukturen und verästelt in alle Geschäftsbereiche.
Ich denke: Da wird Langdock für viele dann doch nur eine kurze Episode der Agentengeschichte sein, der Experimentierkasten. Wer will ein weiteres Tool, Wachstumsschmerzen, down-times, wenn alle Daten schon im CRM/ERP liegen? Unternehmen brauchen nicht noch mehr Tool-Theater. Sie brauchen belastbare Prozesse. Im besten Fall gebaut von Software-Architekten, nicht von Herrn Nolte aus der Buchhaltung, der sich in KI reingefuchst hat.
Masterclasses. Nächstes oft erwähntes Thema und ein Format, das ursprünglich eine gute Idee war. Heute Gelddruckmaschine, für die OMR.
Eine Masterclass sollte eigentlich ein fairer Tausch sein:
Ich bekomme echtes Domänenwissen.
Ich investiere meine Zeit.
Ich höre mir am Ende auch einen Pitch an.
Das ist völlig legitim. Aber bei vielen Ausstellern ist dieses Gleichgewicht gekippt.
Aus Wissensformaten werden Roadshows.
Aus Storyline wird Funnel-Dramaturgie, und ich sitze mit Kopfhörer verzurrt in Reihe 4 und komme nicht wieder raus.
Viel Vorfreude, 45 Minuten Allgemeinplätze und am Ende ein Angebot, das nur heute gilt. Aha.
Der Markt redet gerade sehr viel über Agenten.
Ich glaube, wir müssten viel mehr über Verantwortung, Datenresidenz/-resilienz, Prozessarchitektur und echte Souveränität reden.
Denn Agentic AI ohne Prozessverständnis ist Spielzeug.
Cloud-Automation ohne Datenstrategie ist ein Risiko.
Und: DSGVO-konform ist kein Versprechen.
Es ist der Führerschein.
Nicht die Fahrkunst.




