Zugegeben: Der AI-EU-ACT macht den Umgang mit KI nicht einfacher, aber die aktuellen Geschehnisse in den USA zeigen, wie wichtig Regulierungen und konsequenter, staatlich verbriefter Datenschutz sind.
In den USA hat Elon Musk mit seinem Department of Government Efficiency (DOGE) Zugriff auf sensible persönliche Daten von Millionen Amerikanern erhalten. Berichten zufolge hat sein Team, bestehend aus jungen und unerfahrenen Ingenieuren, Zugang zu hochsensiblen Regierungsinformationen und privaten Daten von US-Bürgern erhalten.
Besorgniserregend ist, dass Musk nicht demokratisch legitimiert ist und dennoch solch weitreichende Befugnisse erhalten hat. Ein US-Bundesgericht hat nun den Zugang von Musks DOGE-Team zu sensiblen Zahlungssystemen des Finanzministeriums per einstweiliger Verfügung vorerst eingeschränkt, um die Gefahr eines „irreparablen Schadens“ durch mögliche Datenlecks oder Hackerangriffe zu verhindern.
Gleichzeitig hat Sam Altman, CEO von OpenAI, ein Übernahmeangebot von Elon Musk in Höhe von 97,4 Milliarden US-Dollar entschieden abgelehnt. Altman betonte die Bedeutung einer unabhängigen und verantwortungsvollen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz.
Diese Ereignisse unterstreichen die Notwendigkeit starker KI-Regulierungen wie des EU AI Acts. Ohne klare Regeln und Aufsicht könnten Einzelpersonen oder Unternehmen unkontrollierten Zugriff auf unsere sensibelsten Daten erhalten und diese möglicherweise missbrauchen.
Es ist richtig und hochaktuell, für transparente und verantwortungsvolle KI-Entwicklung einzutreten. Der EU AI Act ist ein entscheidender Schritt in diese Richtung, um sowohl Innovation zu fördern als auch die Rechte und die Privatsphäre der Bürger zu schützen.
Wir müssen uns wirklich auf unsere europäischen Stärken besinnen, und die DSGVO mit ihren hohen Anforderungen an Datensicherheit und Persönlichkeitsschutz, die in den vergangenen Jahren zum massiven Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur und von Cloud-Ökosystemen geführt hat, erweist sich heute als Segen. Sie reicht jedoch bei weitem nicht aus, um den europäischen Hunger nach solider Dateninfrastruktur zu decken.
Hier muss immens investiert werden, und leider müssen wir dabei zunächst auf europäische Nachbarn wie Frankreich setzen, die endlich die Notwendigkeit massiver Investitionen erkennen, um zukünftigen Anforderungen an Rechenzentren und den Energiebedarf gerecht zu werden.
Gleichzeitig gilt es sicherzustellen, dass dieser Datenhunger nicht mit schmutziger Energie gestillt wird und wir unsere Klimaziele nicht kompromittieren.
Es liegt an uns, AI-Unternehmern, den Druck und das Verständnis in unseren Ländern aufzubauen, um diese systemrelevante Entwicklung nicht zu verschlafen. Europäische Werte und deutsches Fachwissen müssen zueinanderfinden.
Zum Glück wird mit Entwicklungen wie DeepSeek und immer leistungsfähigeren Open-Source-LLM der lokale Einsatz in der IT-Struktur von Unternehmen immer bezahlbarer. Bei 25,- € pro Teams-Account belaufen sich die Lizenzkosten für ein Unternehmen bereits auf 150.000 €. Dafür könnte ein lokales LLM mit DeepSeek sich schon in 1-2 Jahren amortisieren. (Ich weiß, dass in Zeiten von KI 1-2 Jahre ROI schon etwas lang sind.)
Aber: Wenn Unternehmen so weitsichtig sind, solche Projekte als das zu sehen, was sie nebenbei immer sind – eine Investition in Forschung und Entwicklung mit dem Vorteil einer ad hoc-Nutzung und immensem Erfahrungspotenzial –, dann sind solche Investitionen nicht nur sinnvoll, sondern eine Investition in die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Mein erstes selbst aufgesetztes lokales LLM, das nebenbei TISAX-konform ist, hat im Januar seinen Betrieb bei einem Kunden aufgenommen und wird zukünftig durch präzises Prompt-Engineering die Corporate Language eines DAX-Unternehmens auf hohem Niveau produzieren und dabei die Redaktion massiv bei ihrer Arbeit entlasten.
Datenhoheit ist mehr als eine lästige Aufgabe – sie ist die Chance des Jahrhunderts, uns von ungesunden Abhängigkeiten in einer von neuen imperialistischen Machthabern dominierten Welt zu lösen und in einer multipolaren Welt überhaupt noch souverän (oder der Souverän!) zu bleiben!
Ich freue mich auf eure Meinungen zu diesem wichtigen Thema!




